Frau Bode kocht

Liebe Kochgemeinde

Liebe Kochgemeinde,

dies soll nicht die tausendste Anleitung zum historischen Kochen sein. Ich möchte euch vielmehr einladen, mit mir in die Vergangenheit zu reisen und gemeinsam das Thema der Ernährung und Zubereitung von Speisen in der Jungsteinzeit und Bronzezeit zu erkunden.
 

Erlaubt mir ein paar grundsätzliche Bemerkungen:
Alles, was lebt, braucht Nahrung und beschafft sie sich instinktiv auf irgendeine Art und Weise. Nicht anders unsere Vorfahren vor Millionen von Jahren. Genutzt wurde, was und wie die Natur es anbot – roh und maximal in irgendeiner Form zerkleinert.

Wer bin ich?

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Monika Bode (Diplom-Museologin)

Seit mehr als vier Jahrzehnten arbeite ich im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale).

Nach dem Studium übernahm ich die Aufgabe, die Besucherbetreuung und Museumspädagogik am Museum aufzubauen. Der Schwerpunkt der Vermittlungsarbeit war von Anfang an die erlebnis- und sinnesorientierte Vermittlungsarbeit.

Mein besonderes Interesse gilt den Ernährungsgewohnheiten unserer Vorfahren. Basierend auf den Ergebnissen der archäologischen Forschung versuche ich durch Experimentieren, die "Küchengeheimnisse" der Vorgeschichte zu lüften.

Das Kochen – die Veränderung von in der Natur vorgefundener Nahrung – beeinflusste auch das Sozialverhalten unserer Vorfahren. Die lebensnotwendige Nahrungsaufnahme wurde auch durch die gemeinschaftliche Handlung zum Genuss.

"Der Mensch ist ein Tier, das kocht."

Wilhelm Busch - Bemerkung im Kochbuch seiner Schwester Fanny Busch

Lebensmittel sind kostbar, das war den Menschen über Jahrtausende bewusst. Denn ausreichend Nahrung und der sorgfältige Umgang mit Nahrungsmitteln sicherten nicht nur das Überleben des Einzelnen, sondern auch den Fortbestand der Gemeinschaft. In der Gegenwart haben wir das fast vergessen.

Sehr deutlich wird es bei der Verwertung von Tieren. Anders als heute, wurden bei unseren Vorfahren keine Bestandteile der getöteten Tiere verworfen. Im wahrsten Sinne des Wortes erfolgte eine Verwertung von der Schnauze bis zum Schwanz.

Was vom Tier wurde wie verwendet?

  • Fell: Kleidung, Behältnisse und Riemen
  • Knochen: Werkzeug und Nahrung (besonders beliebt war das Knochenmark)
  • Hörner, Geweih: Werkzeug, Schmuck und Behälter
  • Sehnen: Bogensehnen, Bindematerial und Nähmaterial
  • Fleisch: Nahrung – alles was am Tier dran ist, nicht nur die Filetstücke
  • Blut: Nahrung
  • Innereien: Herz, Leber, Magen, Lunge, Zunge, Gehirn wurden gegessen. Därme wurden gereinigt und als Bindematerial und Wursthülle verwendet. Die Blase gereinigt, aufgeblasen, getrocknet und als Behältnis benutzt.

Alles, was wir über Ernährung und Zubereitung der Nahrung wissen, basiert bis zum Aufkommen schriftlicher Quellen auf archäologischen Funden und Befunden sowie den naturwissenschaftlichen Analysen von makro- und mikrobiologischen Resten.

Alle nachfolgenden Speisevorschläge wurden von mir getestet und an meiner Familie sowie Kollegen ausprobiert – alle leben noch.
 

Altsteinzeit

Altsteinzeit

Diese Phase der Menschheitsgeschichte war von Kalt- und Warmzeiten geprägt. Das Klima bestimmte die Ressourcen des Lebensraumes und zwang den Menschen, sich der Natur und ihren Gegebenheiten anzupassen. Gelernt wurde durch Beobachtung und Selbstversuch.

Die Menschen jagten wilde Tiere in Gruppen und sammelten genießbare Pflanzen und ihre Früchte. War die Gruppe zu groß, wurde diese aufgeteilt. Die Größe der Gemeinschaft und die „technische Ausstattung“ bestimmten die Jagdbeute.

Was haben wir an Ausstattung zum Kochen, Garen und Braten – und was ist noch nachweisbar?

Zur Verarbeitung der Lebensmittel – meist auf einem in der Nähe der Feuerstelle platzierten Leder – wurden Geräte aus Silex wie Messer und Schaber verwendet. Die Feuerstelle war das zentrale Element des Kochens. Für sie wurde Holz gesammelt und Kochsteine bereitgehalten. Für besondere Speisen wurde eine Kochgrube angelegt, in der auch ganze Tiere gegart werden konnten.

Als Lebensmittel verwendete man viele Teile der Pflanze – egal ob Blätter, Rinde oder Wurzeln. Dazu gehörten auch Samen, Früchte und Nüsse. Tiere wurden gejagt und das Fleisch auf verschiedene Weise essbar gemacht. Der Speiseplan musste immer wieder durch Insekten, Muscheln, Schnecken, Vögel und deren Eier ergänzt werden. Honig zum Süßen und Salz in Form von Sole oder Kristallen wurden mit verschiedenen Kräutern zum Würzen verwendet.

Jungsteinzeit

Jungsteinzeit

Das Klima hat sich geändert. Die großen Phasen der Warm- und Kaltzeiten wurden allmählich von dem uns bekannten Wechsel der Jahreszeiten abgelöst.

Entlang der fruchtbaren Lößböden wanderten aus dem sogenannten Fruchtbaren Halbmond Menschen vor circa 7500 Jahren nach Mitteldeutschland ein, die eine vollentwickelte bäuerliche Kultur mitsamt erster Feldfrüchte und domestizierter Tiere mitbrachten. Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine bildeten den Haustierbestand. Die Menschen legten Siedlungen an, bearbeiteten das Felsgestein und stellten Keramikgefäße her.

Was wurde verwendet?

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Ausstattung

Koch- und Vorratsgefäße aus Ton, Reibsteine aus Felsgestein, Messer aus Feuerstein, Backteller aus Ton, Backöfen, Gefäße und Gerätschaften aus Holz und Rinde

Lebensmittel

  • angebaut: Emmer, Einkorn, Gerste, Erbsen, Linsen, Schlafmohn, Lein
  • gesammelt: Nüsse, Samen, Kräuter, Beeren, Rinde, Wurzeln und Blätter der Bäume
  • gejagt und/oder durch Haltung: Vogeleier, Fisch, Haus- und Wildtiere

Der Besitz von neuen Pflanzen, insbesondere von Getreide, und die temporäre Verfügbarkeit von Milch erweitern das Nahrungsangebot. Backöfen und Keramikgefäße machen neue Methoden der Zubereitung möglich.

Trotzdem sind die ersten Bauern und Viehzüchter schlechter ernährt als die Jäger und Sammler, denn es kommen zwar neue Ressourcen dazu, aber es wurden auch viele aufgegeben. Ein Jäger und Sammler nutzt das ganze im Lebensraum vorhandene Nahrungsangebot.

Mit Ackerbau und Viehzucht beginnt die Verarmung (Selektion) des unmittelbaren Lebensraumes durch Begünstigung bestimmter Pflanzen und Tiere und der damit verbundenen  Verdrängung oder Ausrottung anderer Arten. Ein Trend, der bis in unsere Gegenwart andauert und durch die Industrielle Landwirtschaft stark begünstigt wird – nicht ohne Folgen für die Gesundheit der Menschen.

Was hält die "Küche" der Jungsteinzeit Neues für uns bereit?

Die Speisen wurden auch weiterhin teilweise im Freien zubereitet, aber mit den durch Steine und Lehm gesicherten Feuerstellen, den Gefäßen aus Ton und den Backöfen wurde auch eine Zubereitung im Haus möglich.

Die Grundlage der Ernährung bildeten sehr wahrscheinlich Brei, Suppen und Fladen in den unterschiedlichsten Varianten und mit verschiedenster Beikost. Sie sind ohne großen Aufwand herstellbar und sättigen gut.  Das heißt jedoch nicht, dass auf die drei großen B (Brot, „Braten“, Bier) verzichtet wurde. Auch Feingebäck bereitete man zu.

Bronzezeit

Bronzezeit

Die Suche nach den neuen Rohstoffen Kupfer und Zinn bringen die Menschen zu noch mehr Mobilität und in Verbindung mit anderen Gemeinschaften. Die Grundlage der Ernährung bleiben Ackerbau und Viehzucht. Es kommen neu Pflanzen hinzu: Hirse und die Ackerbohne und eine bis in unsere Zeit beliebte Spezialität – die „Nudel“.

Nun konntet ihr einen kleinen Einblick in die Küche der Vorzeit bekommen. Ich hoffe, euch spannende und vor allem leckere Vorschläge an die Hand gegeben zu haben, die ihr nun selbst ausprobieren könnt.

Gern könnt ihr mir Eure Bilder und Eindrücke zusenden. Vielleicht schaffen sie es sogar auf diese Website – wer weiß.

Eure Frau Bode