Die Ausgrabung der Ausgrabung

Die Nachgrabung 2019 – 2021 fand nur zu Beginn „im Feld“ statt, wie in Archäologenkreisen die Arbeiten draußen an der Fundstelle bezeichnet werden. Ein wichtiger Teil spielte sich in den Sammlungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie ab, da die Überreste der Grabgrube als Blockbergung geborgen und zur weiteren Bearbeitung dorthin transportiert wurden. Die Untersuchungen im Feld und am Block wurden von Andreas Siegl & Team durchgeführt.

 

Würden Sie sich bitte kurz vorstellen?

 

 

Welche Fragen wollten Sie mit der Untersuchung der Blockbergung klären?

 

 

Ihre Untersuchungsmethoden waren sehr einfallsreich – welche haben Sie angewendet?

Auf Planum 2 ist der Leitungsgraben von 1934 gut zu erkennen, und ebenso, dass man das leider nicht über die Grabgrube sagen konnte. © LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Andreas Siegl

 

 

Sie haben also versucht, Unsichtbares sichtbar zu machen – wie kann das funktionieren?

Während der auf 27 Grad erhitzte Block abkühlt, wird über einen gewissen Zeitraum jede Minute eine Aufnahme mit einer Wärmebildkamera erstellt. Dieses Bild zeigt Minute 16. Der ovale, orange-gelbe Bereich enthält mehr Sediment (Sand/Kies), hat sich stärker erwärmt und bildet so die Verfüllung der oberen Grube ab. © LDA Sachsen-Anhalt, Aufnahme von Merle Scheunchen, Zusammenstellung Andreas Siegl

 

 

Welche Methode fanden Sie persönlich besonders spannend?

Ein Teil der Blockbergung wurde mit Hilfe von Computertomographie-Scans auch im Inneren bildhaft dokumentiert. Die Aufnahme zeigt die erhaltenen Reste der Grabgrube nach dem Entfernen der Wiederverfüllung von 1934 als dunklere Schicht über helleren (natürlichen) Kiesschichten. Der intensiv dunkle Bereich (grüner Pfeil) markiert die Lage des äußeren Flechtwerks. Die aus losen Geröllen gebildete Stufe (roter Pfeil) zeigt die Begrenzung des tiefer reichenden Einbaus. CT-Aufnahme: Prof. W. A. Wohlgemuth, Universitätsklinik und Poliklinik für Radiologie Halle (Saale) © LDA-Sachsen-Anhalt, Bearbeitung: Juliane Fillip

 

 

Und was waren die wichtigsten Ergebnisse?

 

 

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Würden Sie sich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Andreas Siegl, ich arbeite als Grabungstechniker beim Landesdenkmalamt. Das umfasst sowohl die Vorbereitung als auch die Ausgrabungsarbeiten, die Erstellung der Dokumentation bis zur Übergabe des fertigen Grabungsberichtes.

Welche Fragen wollten Sie mit der Untersuchung der Blockbergung klären?

Im Vordergrund stand natürlich die Frage, ob sich trotz der Ausgrabung von 1934 noch Teile der Grabgrube bzw. des Grabes erhalten haben. Und wenn ja, welche Informationen und neuen Erkenntnisse wir zu der Bestattung dazugewinnen können. Zum einen besteht natürlich die Möglichkeit, wenn Teile der Grabgrube erhalten sind, dass auch noch Funde im Boden erhalten sind. Darüber hinaus geben uns Form, Größe und Gestaltung der Grabgrube weitergehende Informationen, wie beispielsweise die Bestattung abgelaufen ist.

Ihre Untersuchungsmethoden waren sehr einfallsreich – welche haben Sie angewendet?

Normalerweise zeichnen sich Gruben ja durch Bodenverfärbungen ab. Wir können sie erkennen. Das war hier nicht der Fall. Deshalb wurden verschiedene Messungen von Parametern der Bodeneigenschaften durchgeführt. Zum einen der Magneteigenschaften, aber auch die Farbspektralwerte wurden gemessen. Anschließend wurden die Ergebnisse in Grafiken bildhaft dargestellt, um darüber die Grabgrube in ihrer Form und Ausdehnung fassbar zu machen. Darüber hinaus wurden aber auch bildgebende Verfahren, wie die Thermographie, eingesetzt und ergänzend auch radiologische Verfahren wie die Computertomographie.

Sie haben also versucht, Unsichtbares sichtbar zu machen – wie kann das funktionieren?

Wenn wir beispielsweise annehmen, dass beim Ausheben einer Grube der natürliche Aufbau der Bodenstruktur zerstört wird und sich das anhand der Verfärbung nicht mehr greifbar machen lässt, so bleiben doch diese Unterschiede in der Bodenzusammensetzung erhalten. Wenn wir beispielsweise eine Thermographie, also eine Wärmebildaufnahme einer vorher aufgeheizten Fläche machen, dann ist es so, dass unterschiedliche Sedimente unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung verschieden Erwärmen und Abkühlen. Und wir bekommen dann ein Bild von den Strukturen im Boden, aber halt als Fehlfarbenbild.

Welche Methode fanden Sie persönlich besonders spannend?

Spannend und vor allen Dingen überraschend hinsichtlich der Ergebnisse fand ich den Einsatz der Computertomographie, also der CT-Scans, die wir an Teilblöcken des Grabes durchgeführt haben, und wir hatten zum einen gegenüber der rein optischen Betrachtung der Fotos der Oberflächen einen erheblichen Erkenntniszuwachs, weil der Aufbau und die Unterschiede in der Struktur, die uns letztendlich Informationen zum Grab liefern, deutlich besser erkennbar waren, als wir das gewohnt sind. Und außerdem hat sich hier die Möglichkeit ergeben, zerstörungsfrei in mehreren Blickrichtungen diese Erdblöcke zu durchfahren und damit auch einen räumlichen Eindruck zu bekommen.

Und was waren die wichtigsten Ergebnisse?

Wir konnten tatsächlich Teile der erhaltenen Grabgrube nachweisen, allerdings war diese wesentlich größer als erwartet. Sie bestand aus zwei übereinander liegenden Gruben, wobei in der Unteren ein sogenannter Einbau angelegt wurde, der aus einem Rutenflechtwerk bestand und eine mineralische Auskleidung ähnlich eines Putzes hatte. In dem dadurch entstandenen Innenraum wurde dann die eigentliche Bestattung mit den Leichnamen und dem Inventar des Grabes angelegt. Und interessant ist in diesem Zusammenhang noch, dass die 1934 als Grabgrube dokumentierte Struktur genau in Lage und Form diesem Einbau entspricht.