Die Befunde und Funde der Kreisgrabenanlage

Die archäologischen Befunde

Das Rondell von Pömmelte-Zackmünde (Salzlandkreis) ist ein Monumentalbauwerk aus dem Übergangshorizont vom Endneolithikum zur frühen Bronzezeit. Die Anlage wurde 1991 durch luftbildarchäologische Prospektion entdeckt und konnte im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und dem Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in mehreren Grabungskampagnen von 2006 bis 2008 vollständig ausgegraben werden.

Zeitstellung und Aufbau lassen Gemeinsamkeiten vor allem mit den Henge-Monumenten auf den Britischen Inseln erkennen. Bislang einzigartig sind jedoch die 29 Schachtgruben, die deutliche Spuren ritueller Handlungen erkennen lassen.

Der Aufbau der Anlage

Das Rondell von Pömmelte-Zackmünde besteht aus einem komplexen architektonischen System von mehreren konzentrischen Ringen aus Gräben, Palisaden, Gruben und einem Erdwall. Die Anlage hat einen Gesamtdurchmesser von 115 m und lässt sich in einen inneren und äußeren Bereich unterteilen:

Der Innenraum besteht aus einer überwiegend geschlossenen Palisade (V, dunkelgrün) und zwei lockeren inneren Pfostenkränzen (VI rot und VII orange). Dieser Bereich wird von einem vorgelagerten Kreisgraben (IV hellgrün) mit 29 Schachtgruben (gelb) umschlossen, dem wahrscheinlich noch ein kleiner Erdwall vorgelagert war. Daran schließen sich von innen nach außen ein Segmentgraben (III dunkelblau), ein auf den südöstlichen Quadranten beschränktes Ringgrabensegment (II grau) sowie der äußere Pfostenkranz (I schwarz) an.

Die konzentrischen Pfostenkränze und Gräben weisen an unterschiedlichen Stellen Durchlässe (A/A‘, B, C) auf, die mit den Auf- und Untergangspunkten der Sonne zu besonderen astronomischen Ereignissen korrespondieren.

Erkunde die Kreisgrabenanlage von Pömmelte interaktiv. Hinter jedem Klickpunkt verbergen sich Zusatzinformationen und Einblicke in die Ausgrabungen.

Grabengeviert der Schnurkeramik, Bef. 1022
Totenhütte der Schnurkeramik, Bef. 575
Südost-Durchlass
Nordwestlicher Durchlass
Schachtgrube Bef. 1099
Schachtgrube Bef. 1101
Schachtgrube, Befund 300
I Äußerer Pfostenkranz
II Ringgrabensegment
III Segmentgraben
IV Kreisgraben
V Palisade
VI Pfostenkranz A
VII Pfostenkranz B
Schachtgruben
Gräber & Kenotaphe
Pömmelte-Zackmünde, Salzlandkreis: Gesamtplan der Grabungen 2005-2008
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Grabengeviert der Schnurkeramik, Bef. 1022


Die annähernd quadratische Grabenstruktur von ca. 14 x 16,65 m datiert in die ältere Phase des Schnurkeramik-Einzelgrab-Komplexes (erste Hälfte 3. Jt. v.Chr.). Sie wurde demnach lange vor dem Bau der Kreisgrabenanlage angelegt. Die beiden Unterbrechungen im Nordosten und Südwesten liegen einander gegenüber und weisen astronomische Bezüge zu den Auf- und Untergangspunkten der Sommer- und Wintersonnenwende auf.

SA SSW: Sonnenaufgang Sommersonnenwende, SU WSW: Sonnenuntergang Wintersonnenwende.



Bis auf den Graben konnten keine weiteren Befunde wie z.B. Pfostenstandspuren entdeckt werden, die Hinweise auf eine mögliche aufgehende Struktur liefern. Ein vergleichbarer Befund wurde nicht nur bei der nahe gelegenen Kreisgrabenanlage von Belleben (Salzlandkreis) dokumentiert, sondern 2021 auch bei der benachbarten Anlage in Schönebeck, noch dazu an exakt dergleichen Stelle wie in Pömmelte! Möglicherweise handelt es sich um ein zumindest regionales Muster, bei dem Kreisgrabenanlagen bewusst mit einem ganz bestimmten räumlichen Bezug zu einem älteren Monument ausgerichtet wurden.



Funktionale Deutung


Aufgrund der astronomischen Ausrichtung der Anlage und der Nähe zur Kreisgrabenanlage wird das Grabengeviert als sakrales Monument interpretiert. Ein weiterer Hinweis dafür sind Funde von Wellenleistengefäßen, die mitunter auch aus Befundkontexten stammen, welche eine nicht-profane Deutung sehr wahrscheinlich machen. Ein Beispiel dafür ist ein Gefäßdepot eines großen Wellenleistentopfes in einer Felsspalte auf dem höchsten Punkt des Berges Bacín (okr. Beroun, Tschechien).


Totenhütte der Schnurkeramik, Bef. 575


Plana und Profile der schnurkeramischen Totenhütte von Pömmelte
Totenhütte der Schnurkeramik, Befund 575. Planum 1 mit Angabe der Profilschnitte; 2 Planum 2 mit Funden; 3 Profilschnitte. © LDA, Grafik: André Spatzier.

Im südlichen Bereich der Anlage, zwischen dem äußeren Palisadenkranz, Grubenclustern (dunkelgrau) und dem Segmentgraben (dunkelblau) trat ein Grabbefund aus der Zeit der Schnurkeramik zutage. Es handelt sich um eine rechteckige, etwa 2,80 x 2,20 m große Verfärbung mit jeweils einer Pfostenstellung an jeder Ecke. Der Befund wird als hölzerne Grabkammer interpretiert.


Die Bestattung


Innerhalb des Befundes trafen die Ausgräber auf Unterschenkel- und Fußknochen eines Mannes im adulten (20 bis 39 Jahre) bis maturen (40 bis 59Jahre) Alter. Die übrigen Knochen waren nicht erhalten. Die Fundlage der Knochen lässt auf eine Beisetzung in Hocklage auf der rechten Seite schließen. Grabritus und Ausrichtung des Leichnams nach West-Nord-West und Ost-Süd-Ost entsprechen der typischen Bestattungssitte der Schnurkeramik-Kultur.

Der Verstorbene war mit zwei Silexklingen, einer A-Axt (durchlochte Steinaxt) und einem Flintbeil beigesetzt worden. Auch die Funde entsprechen dem gängigen Beigabenmuster einer herausragenden Männerbestattung der Schnurkeramik-Kultur.


Das Grab war zur Bauzeit der Kreisgrabenanlage wahrscheinlich noch überhügelt und deshalb oberirdisch sichtbar. Darauf deutet die Unterbrechung des Ringgrabensegments an dieser Stelle. Offenbar nahmen die Erbauer der Kreisgrabenanlage bewusst Bezug zu diesem älteren Grabmonument und integrierten es in das architektonische Gesamtkonzept.


Der Südost-Durchlass


Die überwiegend blickdichte Palisade weist an drei Stellen Unterbrechungen oder locker gestellte Pfosten auf, die einen Blick nach außen ermöglichten. Die beiden Durchlässe im Südosten (OSO) und Nordwesten (WNW) sind jedoch die einzigen, die auch mit einer Unterbrechung des Ringgrabens einhergehen. Sie werden deshalb als die Hauptzugänge bzw. Hauptblickachsen interpretiert.



Die Torwangen der Palisade


Die südöstliche Palisadenöffnung weist ähnlich wie in Goseck Torwangen auf, die in das Innere der Anlage weisen. Die Öffnung war mit 1,55 m etwas breiter als jene im Nordwesten. Sie konnte von ein bis zwei Personen gleichzeitig durchschritten werden.



Astronomische Visurlinien

Die Durchlässe waren auf bestimmte astronomische Ereignisse im Kalenderjahr ausgerichtet. Im Bereich der südöstlichen Palisadenöffnung konnte man vom angenommenen Mittelpunkt der Anlage jeweils um den 24. Februar und den 18. Oktober den Aufgang der Sonne beobachten. Diese beiden Daten sind, anders als in Goseck, keine Sonnenwendtermine, sondern lassen sich eher den Mittvierteljahresfesten zuordnen. Sie markieren den Frühlings- bzw. Herbstanfang und damit wichtige Ereignisse im bäuerlichen Jahr. Im Bereich der Hauptdurchlässe verbleibt die Sonne drei bis vier Tage, so dass keine taggenaue Zuordnung zu einem Datum möglich ist. 



Der nordwestliche Durchlass



Der nordwestliche Durchlass (WNW) liegt dem südöstlichen achsensymmetrisch gegenüber. Er unterscheidet sich von seinem südöstlichen Pendant durch die etwas geringere Breite von 1,30 m sowie durch die fehlenden Torwangen.


Astronomische Bezüge


Vom Mittelpunkt der Anlage war im späten 3. Jahrtausend v. Chr. der Sonnenuntergang etwa um den 7. Mai und den 8. August beobachtbar. Diese Daten lassen sich am ehesten mit Beltaine, dem Fest des Sommeranfangs bzw. dem Maifeiertag und Lughnasadh, dem Fest zum Erntebeginn im August in Verbindung bringen.



Schachtgrube Bef. 1099


Planum rund, Profil u-förmig; Breite (H. Grabensohle): 0,90 m, Breite (Sohle): 0,90 m, T: 1,80 m



Die Schachtgrube enthielt zwei Sonderbestattungen: ein Kind im Alter von 5-7 und eine etwa 30 bis 40 Jahre alte Frau. Beide Skelette lagen auf der Grubensohle und wiesen perimortale Traumata an Schädel und Thorax auf. Das Kinderskelett lag direkt über dem Skelett der Frau, das in Bauchlage mit gekrümmtem Oberkörper vorgefunden wurde. Die Beine des Kindes waren stark angewinkelt und in Reiterstellung zur Seite geklappt.




Zwischen beiden Individuen fand man außerdem Knochen von Schaf und Rind. Über den Toten war ein fast vollständig erhaltener Glockenbecher sowie ein Henkelgefäß mit der der Mündung nach unten deponiert worden.



Schachtgrube Bef. 1101


Planum: rund, Profil: u-förmig; Breite (H. Grabensohle): 1,15m, Breite (Sohle): 0,70 m, Tiefe: 1,90 m



Die Schachtgrube wurde fast senkrecht in den bereits teilverfüllten Graben (Phase III) eingetieft. In Höhe von Planum 10 wurden die Skelette eines 10 bis 14-jährigen Kindes und einer 15 bis 17 Jahre alten jungen Frau entdeckt. Dem Kinderskelett fehlten beide Beine. Das Becken war unnatürlich rückwärts gebogen. Dem weiblichen Individuum fehlten sämtliche Extremitäten, nur Schädel und Rumpf wurden im anatomischen Verband vorgefunden. Ihr Schädel war stark zurückgeneigt und wies mehrere Frakturen auf. Weitere perimortale Traumata wurden im Bereich des Thorax entdeckt.




Im unteren Bereich der Schachtgrube lässt sich aufgrund der Form und Stratigrafie der Verfüllungen ein Behälter rekonstruieren, der sich nicht erhalten hatte. Direkt über dem Boden des Behälters fanden die Ausgräber ein kleines Steinbeil. Weitere Funde stammen aus der Verfüllung. Es handelt sich dabei um Tierknochen, Keramikscherben und ein fast vollständiger schüsselartiger Becher.


Schachtgrube, Befund 300



Planum: rund, Profil: u-förmig; Breite (Höhe Grabensohle): 1,60 m; Breite (Sohle): 0,90 m, Tiefe: 2,25 m


Sonderbestattung eines Kindes

Die Schachtgrube zeigt ein getrepptes Profil und mehrere Verfüllhorizonte. Im unteren Bereich der Grube deutet die Befundform und Verfüllung auf einen zylindrischen, organischen Behälter, der aber zum Zeitpunkt der Ausgrabung vollständig vergangen war. Darin lag das Skelett eines 2 bis 4 Jahre alten Kindes in Fötalhaltung bzw. in Hocklage auf der rechten Seite liegend. Es fehlten Teile des linken Unterschenkels, des linken Unterarms und des rechten Arms. Ob diese Skelettteile nur erhaltungsbedingt fehlten, oder ob sie prämortal entfernt wurden, kann nicht sicher geklärt werden. Die Fragilität von Kinderskeletten spricht für ein erhaltungsbedingtes Fehlen. Andere Schachtgruben weisen dagegen Skelette und Knochen auf, die eindeutig Spuren von Gewalteinwirkung zeigen.




Ein ritueller Verschluss der Grube?

Die Schachtgrube enthielt in allen Verfüllhorizonten Fragmente von Keramik und Tierknochen. Auf der Oberkante des untersten Verfüllhorizontes wurden drei kleine Steinbeile, eine Pfeilspitze und ein Fragment eines menschlichen Oberschenkelknochens niedergelegt. Letzterer gehörte einem erwachsenen Mann. Aus einem Rinderknochen der obersten Verfüllschicht konnte ein Radiokarbondatum gewonnen werden, das den Verfüllzeitpunkt in die Zeit um 3828 +- 28 vor heute, also etwa um 1800 v. Chr. datiert.


Äußerer Pfostenkranz


Die äußerste Struktur der Kreisgrabenanlage bildet ein Ring aus Einzelpfosten, die mehr oder weniger in gleichen Abständen zueinander angelegt wurden. Während der Ausgrabungen konnten 318 Pfostengruben dokumentiert werden. Aufgrund der schlechten Befunderhaltung und der geringen erhaltenen Tiefe wird die Gesamtzahl jedoch auf ursprünglich 400 bis 500 geschätzt.

Im Verlauf des äußeren Pfostenkranzes sind einige Befunde erkennbar, die von den regelmäßigen Pfostensetzungen abweichen. Sie beziehen sich offenbar auf eine vom Mittelpunkt des Rondells ausgehende Achse und hoben bestimmte Bereiche der Ringstruktur hervor.



Ringgrabensegment mit Gruben


Im Südosten der Anlage verläuft zwischen dem äußeren Pfostenkranz und dem Segmentgraben ein sichelförmiger Graben. Er besteht aus vier Abschnitten und erstreckt sich auf eine Bogenlänge von etwa 83 m. Der 1,20 bis 2,00 m breite Graben weist einen flachen, sohlförmigen Querschnitt auf und war nur 14 bis 26 cm im Profil erhalten. Es sind zwei Öffnungen beobachtbar: Eine 5,40 m breite Öffnung auf der südwestsüdliche Hauptzugangsachse des Rondells und eine 7 m breite Öffnung im Bereich des schnurkeramischen Grabhügels (Bef. 575). Der Befund scheint die ältere Grabanlage zu respektieren.



Segmentgraben


Zwischen dem äußeren Pfostenkranz und dem Kreisgraben verläuft ein Ring aus 54 dicht aneinander gesetzten Gruben. Sie waren mit humosem Erdmaterial verfüllt und enthielten zum Teil Holzkohleeinschlüsse und in einigen Fällen auch holzkohlehaltige Bänder sowie Hütten- und Brandlehm.

Die Unterbrechungen des Segmentgrabens könnten zumindest an einigen Stellen als bewusst angelegte Öffnungen bzw. Durchgänge interpretiert werden. Dies gilt sicher für die Hauptachsen der Anlage im Ost-Südosten und West-Nordwesten. Eine weitere auffällige Unterbrechung korrespondiert mit einer besonderen Pfostenstellung des äußeren Pfostenkranzes im Südwesten. Auch im Süden der Kreisgrabenanlage fällt ein langer Abschnitt auf, in dem keine Gruben nachweisbar waren.



Kreisgraben


Der Kreisgraben wurde aufgrund der sehr lockeren Bodensubstrate in 92 Segmente geteilt und per Hand nach dem Kreuzschnittprinzip in künstlichen Schichten ausgegraben und dokumentiert. Auf diese Weise konnte ein durchgehendes Längsprofil durch den gesamten Graben erstellt werden.


Der Kreisgraben ist der größte Befund der Anlage und nähert sich in seiner Form am ehesten einer geometrisch exakten Kreisform an. Aufgrund geringer Abweichungen ergibt sich eine Ellipse von 38,30 und 39,40 m. Der max. 2,16 m breite Kreisgraben ist als Sohlgraben angelegt worden. Im Planum zeigten sich an einigen Stellen auffällige „Ausbuchtungen“, die später als Schachtgruben identifiziert werden konnten.


Der Kreisgraben war an vier Stellen unterbrochen und lässt sich somit in vier Ringsegmente gliedern. Zwei weitere Erdbrücken befinden sich auf den beiden Hauptzugangsachsen ins Innere des Rondells. Die besonders weiten Öffnungen liegen im Ost-Südosten und West-Nordwesten und korrespondieren mit den eben hier beobachteten Öffnungen der anderen Kreisgrabenstrukturen.



André Spatzier erkannte in der Stratigraphie der Kreisgrabenverfüllungen insgesamt fünf verschiedene Sedimentationsphasen:

  1. Komplett offenstehender Graben bzw. nur Einlagerung eines dünnen Sedimentationsbandes an der Grabensohle
  2. Verfüllung des Grabens aufgrund natürlicher Erosion
  3. Teilweise verfüllter Graben – Konsolidierung nach Einlagerung des unteren Schichtpakets – „Begehungshorizont“
  4. Weitgehende Verfüllung des Grabens durch Einlagerung einer Ascheschicht und einer kieshaltigen Schicht (Grabenaushub des vorgelagerten Walls)
  5. Vollständig verfüllter Graben


Palisade


Die Palisade stellt sich im Befund als durchgehendes, schmales Gräbchen, das konzentrisch zwischen dem Kreisgraben und den beiden inneren Pfostenkränzen liegt, dar. Im Aufgehenden lässt sich die Struktur als ursprünglich geschlossene, blickdichte Wandung aus vielen Einzelpfosten von 15 bis 20 cm Durchmesser rekonstruieren. Durch die Palisade war der Innenraum der Anlage nicht nur optisch von den äußeren Bereichen des Rondells abgeschlossen. Die Bauweise erzeugte auch eine besondere Akustik im Inneren. Durch die Reflexion der Schallwellen entstehen sogenannte Flatterechos. Sie erzeugen einen Höreindruck, als stünde man in einem großen geschlossenen Raum und nicht in einer Freianlage.



Die beiden Öffnungen der Palisade sind auf die Hauptzugangsachsen des Rondells ausgerichtet und ermöglichten ein, maximal zwei Personen gleichzeitig hindurchzutreten. Im Nordwesten wurde ferner eine lockere Pfostenstellung (Durchlass C nach W. Schlosser) nachgewiesen, die zumindest eine gewisse optische Durchlässigkeit an dieser Stelle wahrscheinlich macht. Ein eindeutiger Bezug zu einem astronomischen Phänomen ließ sich an dieser Stelle nicht herstellen.



Pfostenkranz A


Der größere der beiden inneren Pfostenkränze verläuft etwa 6,00 bis 6,70 m entfernt von der Palisade. Er besteht aus locker, in regelmäßigen Abständen gesetzten Einzelpfosten. Ähnlich wie der Kreisgraben umschreibt auch der Pfostenkranz A eine nahezu kreisrunde Form. In vier Bereichen lassen sich bewusst gestaltete Unterbrechungen erkennen: Im Ost-Südosten wird gegenüber des Hauptzugangs zur Anlage ein Ringsegment aus sechs Pfosten durch Lücken zum Pfostenkranz architektonisch ausgeschieden. Im gegenüberliegenden west-nordwestlichen Zugang ist die Pfostenstellung mit einer etwa 3 m breiten Öffnung versehen. Zwei weitere Öffnungen orientieren sich an den schmalen Erdbrücken des Kreisgrabens.



Pfostenkranz B


Der innerste Pfostenkranz besteht ebenfalls aus regelmäßig gesetzten Einzelpfosten und weicht deutlich von der idealen Kreisform ab. Die Befundsituation war hier günstig, so dass alle 99 Pfostenstandspuren erkennbar waren, so dass die ursprüngliche Situation präzise rekonstruiert werden konnte. Im Durchschnitt lagen 1,35 bis 1,80 m zwischen den Einzelpfosten. Der innerste Pfostenkranz weist an mindestens sechs Bereichen auffällige Pfostenstellungen auf, von denen zwei mit den Hauptzugangsachsen der Anlage im Ost-Südosten und West-Nordwesten korrespondieren.



Schachtgruben


Eine im Vergleich mit anderen Rondellen bislang einzigartige Befundsituation sind die 29 Schachtgruben, die in den Kreisgraben eingetieft sind. Die trichterförmigen Gruben waren zwischen 1,50 m und 2,00 m tief, wurden zu verschiedenen Zeitpunkten angelegt und über einen längeren Zeitraum von 150 bis 280 Jahren genutzt, immer wieder geöffnet und neu verfüllt. Allgemein lassen sich drei unterschiedliche Verfüllhorizonte erkennen:

  1. Im unteren Bereich enthielten die Schachtgruben z.T. Sonderbestattungen, vorrangig von Frauen und Kindern, außerdem Keramikscherben von Trinkgefäßen, Tierknochen mit Schlachtspuren und Mahlsteine.
  2. Im mittleren Verfüllhorizont fanden sich Kieferknochen von Rindern sowie Mahlsteine. Möglicherweise versiegelte man mit diesen Objekten die erste Deponierung. Beide Verfüllhorizonte folgten offenbar kurz aufeinander.
  3. In der letzten Nutzungsphase der Schachtgruben legte man menschliche Schädel und Steinäxte oberflächennah auf der jüngsten Verfüllung nieder. Bei zwei Dritteln der Schachtgruben dokumentierten die Ausgräber in der obersten Verfüllung große Mengen von Asche, Einschlüsse von Holzkohlefragmenten und verziegeltes Erdmaterial. Diese Befunde deuten darauf hin, dass man nach dem letzten Verfüllen der Gruben ein Feuer darüber entzündete bzw. noch glühendes Material einfüllte.

Die Deponierungen in den Schachtgruben folgten demnach einem bestimmten Muster und sind somit als eine formalisierte Abfolge ritueller Handlungen zu deuten.  


Deponierungsphasen in den Schachtgruben
Die Deponierungsphasen in den Schachtgruben. Mehrmals wurde in einen Befund eingegriffen. Das zeigt, dass die Deponierungen über einen längeren Zeitraum hinweg vorgenommen wurden. © LDA, Grafik: A. Spatzier.

Belege für Behältnisse aus organischem Material


In 22 Schachtgruben lassen Stratigrafie und Form der Verfüllungen auf organische Behältnisse schließen, die ursprünglich im unteren Bereich der Schächte eingebracht waren, sich aber aufgrund der Bodenverhältnisse nicht erhalten haben. Es handelte sich um zylinderförmige oder leicht konische Behältnisse aus Bast, Rinde oder Holz. In einigen Fällen zeigte sich, dass die Schächte nach ihrer Verfüllung mit einer Abdeckung versehen wurden. Die Schachtgruben dienten der Aufnahme zerscherbter Gefäße, Tierknochen und zum Teil auch Menschenknochen. Es liegt nahe, dass auch Speisen oder Speisereste wie Cerealien, Früchte und Fleisch deponiert wurden. Detaillierte Einblicke in die Verfüllung der Schachtgräber werden zukünftig archäobotanische und archäozoologische Untersuchungen liefern.


Gräber & Kenotaphe


Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte war ein Ort der Toten. Dies zeigen u.a. 13 Flachgräber der Glockenbecher- und der Aunjetitzer Kultur, die ausschließlich in der Osthälfte der Anlage dokumentiert wurden. Es handelt sich hierbei ausschließlich um Bestattungen junger adulter Männer. Die Toten waren entgegen der üblichen Bestattungssitte nicht nach den Kardinalsrichtungen orientiert, sondern auf die Kreisgrabenanlage ausgerichtet.



Der Erhaltungszustand der Skelette war schlecht, so dass häufig nur Schädel und Langknochen erhalten waren. In einigen Gräbern wurden jedoch nachweislich nur bestimmte Teile des Skelettapparates bestattet.


Schädelgrab Bef. 660
Schädelgrab Bef. 660 mit Glockenbecher als Beigabe. © LDA, Foto: A. Spatzier.

Außerdem traten sieben Befunde auf, die den Flachgräbern in Form und Größe entsprachen, die aber keine Spuren einer Bestattung aufwiesen. Sie werden als Kenotaphe interpretiert. Es ist wahrscheinlich, dass auch sie in einem Zusammenhang mit dem Totenritual standen. Die Gräber waren überwiegend beigabenlos. In einigen Fällen war dem Toten ein einzelnes Keramikgefäß beigegeben worden.



* Die Angaben beruhen im Wesentlichen auf der Dissertation von André Spatzier:
A. Spatzier, Das endneolithisch-frühbronzezeitliche Rondell von Pömmelte-Zackmünde, Salzlandkreis und das Phänomen des 4.-1. Jt. v.Chr. in Mitteleuropa. Forschungsberichte des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 10/2 Bde. (Halle (Saale) 2017).

Funde

Pfeilspitzen aus Feuerstein

Bei den Ausgrabungen der Kreisgrabenanlage wurden insgesamt 55 Silexpfeilspitzen entdeckt. Analysen der Abnutzungsspuren und experimentalarchäologischen Bogenschussversuche legen nahe, dass mindestens 24 der Pfeilspitzen tatsächlich abgefeuert worden sind und auf ein Ziel getroffen waren. In diesem Kontext werden zwei unterschiedliche Hypothesen diskutiert:

1. Das Abschießen von Pfeilen im Rahmen ritueller Handlungen, öffentlicher Inszenierungen von Kriegern.

2. Die Abwehr kriegerischer Angriffe.

* D. Sosna/A. Spatzier, Arrowheads from Pömmelte-Zackmünde: Use-wear analysis. In: H. Meller (Hrsg.), Mensch und Umwelt im Ringheiligtum von Pömmelte-Zackmünde, Salzlandkreis. Forschungsberichte des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 10/III (Halle (Saale) 2019) 176–186.