The beauty of archaeology is its capacity to reflect the full spectrum of human activity and existence, which is why one sometimes encounters the unusual and the unexpected – this was the case for Judith Berning.
Mein Name ist Judith Berning. Ich arbeite als Restauratorin für archäologisches Kulturgut seit 2022 hier am Museum. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich eigentlich mit anorganischen Materialien, aber als Restauratorin bin ich eben auch zuständig für die Betreuung von Ausstellungen oder von Objekten in der Sammlung.
Ich habe eigentlich mehr oder weniger durch Zufall bei einer Arbeitssitzung im Vorfeld für diese Sonderausstellung von diesen vielen Fragmenten erfahren, die den Schildkröten zugeordnet werden und bei der Nachgrabung 2019 in Bad Dürrenberg gefunden wurden. Und nachdem ich dann den ersten Blick auf die Fragmente geworfen habe und gesehen habe, wie viele hunderte kleine Fragmente das sind und wie viele Bruchkanten es gibt, hat das eigentlich ganz schnell auch einen gewissen Ehrgeiz geweckt, aber vor allem auch das Interesse, sich näher mit dem Material und mit dieser Fundgattung, also mit der Schildkröte an sich auch auseinanderzusetzen.
Für mich persönlich bestand die Herausforderung vor allem, glaube ich, in der Auseinandersetzung mit der Europäischen Sumpfschildkröte, also mit diesem Panzeraufbau und zu verstehen, woraus der Panzer besteht und auch wie diese einzelnen Knochenplatten zusammengesetzt sind, was auch typische Charakteristika sind, typische Merkmale sind, an denen man die einzelnen Knochenplatten identifizieren kann. Und diese Merkmale eben auch an diesen ganz kleinen Fragmenten wiederzufinden. Man muss sich ja vorstellen, in dem Schamaninnengrab von Bad Dürrenberg, da befanden sich ja keine ganzen Schildkrötenpanzer, sondern sämtliche Schildkrötenpanzerfragmente stammen eigentlich nur von den Oberpanzern. Und dieser Oberpanzer, der setzt sich aus vielen Knochenplatten zusammen, die mit der Zeit verwachsen sind. Und das erkennt man heutzutage noch an den sogenannten Knochennähten. Also man hat keinerlei Extremitätenknochen gefunden und auch keine Fragmente vom Bauchpanzer, sondern ausschließlich von diesem Oberpanzer.
Am meisten verblüfft hat mich tatsächlich, dass es noch so viele Anpassungen gab. Aber vor allem, dass es so viele Anpassungen zwischen Alt- und Neufunden gab. Denn die Altfunde, die 1934 geborgen wurden, die Schildkrötenpanzerfragmente, die sind ja seit mehr als 90 Jahren außerhalb der Erde und die haben mittlerweile als museales Objekt, als Museumsobjekt, ihre ganz eigene Geschichte. Die haben ganz eigene Dinge erlebt, wurden in der Zwischenzeit, in der Vergangenheit, gereinigt, die wurden zum Teil abgeformt, zum Teil zum Panzermodell rekonstruiert und das alles zum Teil auch mit Methoden und Materialien, die wir heute in der Restaurierung so nicht mehr verwenden würden. Und dass es dann noch Anpassungen zwischen diesen Alt- und den Neufunden gibt, das hat mich tatsächlich verblüfft und überrascht. Und umso schöner ist es eigentlich, dass die Fragmente jetzt einen gemeinsamen Platz in der Ausstellung gefunden haben.